Am 10. Mai 1940 überfiel die Wehrmacht Luxemburg. Großherzogin Charlotte und ihre Regierung gingen ins Exil zuerst nach London und dann nach den Vereinigten Staaten von Amerika und nach Kanada.
Die 1. Panzerdivision, begleitet von motorisierter Infanterie und geschützt durch die Luftwaffe, überquerte über die Sauerbrücke die Stadt um acht Uhr morgens in Richtung Belgien.
Einmarsch 1940 Ettelbruck - Pens Ste Anne © Albert Wirth
Die landwirtschaftliche Schule und private Häuser wurden requiriert, um deutsche Soldaten unterzubringen. Im Juni musste die Stadt die Unterbringung Hunderter Flüchtlinge aus dem Süden des Landes organisieren. Nach der Ankunft des Gauleiters Gustav Simon als „Chef der Zivilverwaltung“ am 29. Juli 1940 wurde in Ettelbrück unter dem Motto „Heim ins Reich“ die Politik der Germanisierung betrieben. Die VDB (Volksdeutsche Bewegung), die mit den Invasoren zusammenarbeitete, führte Strafaktionen gegen patriotische Bürger von Ettelbrück durch.
Am 22. August wurden örtliche Vereine vom „Stillhaltekommissar“ aufgelöst. Die Aufgabe des Stillhaltekommissars war es,“ geordnete Verhältnisse“ zu schaffen und zu überwachen. Ab Januar 1941 wurden Nazi-Organisationen eingerichtet. Die Gestapo überwachte und verhaftete Widerstandskämpfer. Als Teil des Kreises Diekirch umfasste die „Ortsgruppe 07“ Ettelbrück, Erpeldange, Warken und Schieren. Im Mai 1941 wurde der RAD (Reichsarbeitsdienst) für Männer, die 1920 und 1924 geboren wurden eingeführt.
Luxemburger im RAD Bild © GREG
Mädchen, die 1919 und 1922geboren wurden, in den KHD (Kriegshilfsdienst) rekrutiert
Erlass Weibliche Jugend © Bundes archives
Das Pensionat Sainte-Anne wurde von den Schwestern der christlichen Lehre und ihren Schülern geräumt, um in eine „Lehrerbildungsanstalt“ umgewandelt zu werden, die zukünftige Lehrer ausbildete. Die Lehrer der Landwirtschaftsschule wurden teilweise durch Deutsche ersetzt. Im August 1941 wurde die städtische Verwaltung unter die Aufsicht eines „Amtsbürgermeisters“ gestellt, der vom „Ortsgruppenleiter“ der NSDAP kontrolliert wurde. Ab Oktober 1941 wurden Juden aus Ettelbrück deportiert und ihre Häuser und ihr Besitz beschlagnahmt. Die Einrichtungen der Synagoge wurde zerstört.
Während der Besatzung provozierten verschiedene Widerstandshandlungen den Zorn der Deutschen: Entfernung von Nazi-Flaggen, Brand des Ehrenbogens, patriotische Graffiti, Verteilung von Flugblättern von Widerstandsorganisationen, Vereiteln der Volkszählung vom 10. Oktober 1941, bei der der Gauleiter forderte, dass Luxemburger sich als Deutsche erklären…
© Fotosammlung M.Goedert
Der Fotograf und Widerstandskämpfer aus Ettelbruck, Alex Wagner-Krantz, wurde durch seine Fotomontage „Mir wölle bleiwe wat mir sin“ bekannt.
Als der Gauleiter am 30. August 1942 die Zwangsrekrutierung in die Wehrmacht für Männer der Jahrgänge 1920 bis 1924 verfügte, brachen am nächsten Tag in vielen Städten Luxemburgs Streiks aus.
BEKANNTACHUNG 1942 Jahrgänge 20-24 © Gemeinde archives
In Ettelbrück blockierten Eisenbahner den Zugverkehr, die Hälfte der Geschäfte schloss ihre Türen, Lehrer erteilten keinen Unterricht, das medizinische Personal in der Maison de Santé (neuro-psychiatrisches Krankenhaus) gab ihre VDB-Mitgliedskarten zurück, usw. Sofort wurden 250 Polizisten nach Ettelbrück geschickt, um den Streik zu unterdrücken.
© Privat Sammlung
Dreißig Widerstandskämpfer wurden festgenommen. Unter den 21 Luxemburgern, die im Ganzen in Folge des Streiks hingerichtet wurden, befanden sich Michy Dax und Jängi Thull aus Ettelbrück. Andere prominente Opfer des Widerstands waren der Pfadfinder Félix Lux und der Gruppenleiter der Widerstandsbewegung LVL Yvon Kerger. Fast 150 junge Leute aus Ettelbrück wurden in die Wehrmacht eingezogen. Rund zwanzig von ihnen waren Deserteur oder Verweigerer, 35 starben an der Front.
Standgericht Thull Dax © Privat Sammlung
Zwischen September 1942 und August 1944 wurden 80 Einwohner von Ettelbruck wegen Widerstandshandlungen oder weil ein Sohn sich weigerte, von der Wehrmacht eingezogen zu werden, ins östliche Reich „umgesiedelt“. Die Anzahl der in Konzentrationslager deportierten Personen belief sich auf 47. Nach viereinhalb Jahren Nazi-Besatzung wurde Ettelbruck am 11. September 1944, einen Tag nach der Hauptstadt, befreit. Gegen 13:30 Uhr marschierte die 5. Panzerdivision der 1. amerikanischen Armee triumphal in Ettelbrück ein.
Eirepuet Foto © Mad Pitz
Die Freude der Bevölkerung war die gleiche wie überall sonst im Großherzogtum. Nach der chaotischen Flucht der Deutschen bereitete der Gemeinderat zusammen mit dem amerikanischen Major für Zivilangelegenheiten und der Union (einem Bündnis mehrerer Widerstandsorganisationen) die Rückkehr zum normalen Gemeinde- und Zivilleben vor. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ahnen, dass die Amerikaner drei Monate später aufgrund der Ardennenoffensive, die am 16. Dezember 1944 begann, wieder kämpfen müssten.
Luftschutzbunker © 351st Eng. G.S. R.
© Collection Félix Streicher
Intensive Kämpfe verursachten schwere Schäden in der gesamten Stadt. Der Großteil der Bevölkerung wurde am 19. Dezember evakuiert. Am Weihnachtstag wurde Ettelbruck befreit.
Virum Haus Dezember 44 Januar 45 © Fotosammlung Mad Siedler THILL